Wien ist eine Reise wert…zum Wiener Digitalisierungskongress 2018

Vortrag: Digitalisierung verändert alles! Mehr sehen und Lesen…

Professionelle Rezension durch Ulla Leuwer

Liebe Ulla Leuwer,

ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie erstens das Tagebuch überhaupt gelesen haben, obwohl es nicht Ihr Genre ist

zweitens für die professionelle Rezension und

drittens für die viele Arbeit in und mit der Rezension. Danke!

Ihr Frank Uffmann

Hier geht´s zum Blog:

http://ullasleseecke.blogspot.de/2018/03/rezension-tagebuch-eines-ex-bank.html

Das Tagebuch hat das Licht der Welt erblickt! jetzt auch als eBook für 0,99 €

Emerging Adulthood-Virus unserer Zeit

Wir haben eine typische Ypsiloner als Tochter: Anfang zwanzig, beruflich zwischen orientierungslos und für ein Thema lichterloh brennend, in Sachen Beziehung zwischen Polyamorie und der großen Liebe und dabei auf der ständigen Suche nach einer eigenständigen Identität. Ich gebe zu, dass ein oder andere Mal hätte ich schon meine Zähne in die Tischkante beißen können, was für mich nicht hilfreich wäre, vor allem wegen der Gnade meiner frühen Geburt und dem daraus folgenden fortgeschrittenen Alter meiner Zähne und natürlich auch mir selbst. Natürlich haben wir uns in der Vergangenheit öfter die Frage gestellt: was haben wir in der Erziehung falsch gemacht? Doch im Laufe der letzten Jahre mauserte sich das Phänomen unserer Tochter zu einem ausgewachsenen „Virus“, der offenbar nicht nur die Kinder in unserem Freundes- und Bekanntenkreis infiziert hat. Viele Twentysomethings sind in einer Zeitschleife zwischen Teenagerzeit und Erwachsenensein gefangen und fühlen sich dort pudelwohl. Beispiel gefällig? Als in einer der vielen Diskussionen mit meiner Tochter die Ahnung zur Gewissheit wird, das sich bei ihr im Studium ein Urlaubssemester ankündigt und ich sowohl durch Veränderung meiner Stimmlage als auch Mimik zum Ausdruck bringe, was ich davon halte, ernte ich folgende Antwort: „Papi, warum regst Du dich auf, das machen doch viele so!“

Nun blättere ich vorgestern die Zeitschrift Mercedes me durch und lese in einem Interview von Model Stefanie Giesinger (21 Jahre und 2014 Gewinnerin der Castingshow „Germany´s next Topmodel“), die mir bis zu dieser Sekunde völlig unbekannt war: „Wir tragen nicht mehr so viel Verantwortung wie die Generation meiner Eltern“, was bei mir ein heftiges Kopfnicken auslöst. Weiter sagt sie: „Wir befinden uns ja im Grunde in einem Zustand dauerhafter Überforderung. Wenn ich heute ehemalige Schulfreunde treffe, wissen die meisten mit 21 noch nicht, was sie „später“ einmal machen wollen.“ Da ist er wieder, der „Virus!“

Ich beschließe mich intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Auch wenn mein Lieblingsthema Leadership ist, erkenne ich doch in der Erziehung Führungsthemen wieder und vielleicht beugt meine Wissensbereicherung potentiell unklugen erzieherischen Maßnahmen vor;).

Der amerikanische Professor Jeffrey Arnett beschrieb schon im Jahr 2000 die neue Entwicklungsphase der Twentysomethings mit dem Begriff Emerging Adulthood. Seitdem hat sich die Psychologie in diversen Studien ausgiebig mit diesem Phänomen beschäftigt. Verantwortlich für Ursachen und Auswirkungen werden unsere gesellschaftlichen Veränderungen gemacht:

Ursache[1]:                 Die Generation Y…

  • wächst mit großen gesellschaftlichen Umbrüchen auf: Internet, Globalisierung, Klimawandel, Finanzkrise, Terrorismus

Auswirkung:               Die Ypsiloner…

  • wohnen deutlich länger zu Hause bei den Eltern
  • haben immer längere Ausbildungszeiten
  • sind dadurch nur semiautonom
  • arbeiten nur zu einem kleinen Prozentsatz mit 25 Jahren
  • gründen deutlich später eine Familie. Das Durchschnittsalter einer erstgebärenden Mutter ist seit 1991 in Deutschland um fünf Jahre gestiegen.

Folgen:                         Die Twentysomethings

  • gestalten offene soziale Systeme
  • die Vielfalt der Optionen verwirrt mehr, als das sie hilft
  • sind abhängig von immer mehr Flexibilität im Leben
  • verfolgen Ziele mit immer weniger Intensität
  • suchen Partnerschaften zum Erfahrungsaustausch statt zur Familiengründung
  • erfüllen zu mehr als einem Drittel die Kriterien einer psychischen Störung (Depression, Angststörung, Sucht)
  • leiden unter stressbedingter Erschöpfung nicht zuletzt wegen dem hohen Druck an den Bildungseinrichtungen

und die Folge ist

Unsicherheit und Existenzangst.

Tatsächlich hat meine Tochter mir schon einmal von Existenzangst berichtet, was ich aus meiner Perspektive mit Essen, Trinken und Wohnen gleichgesetzt und damit auch nicht verstanden habe.

In einer für mich neuen Rolle als OrientierungsCoach war in der letzten Woche ein typisches „Exemplar“ der Ypsiloner in meiner Beratung. Bei meiner Mandantin erkannte ich viele der oben beschriebenen Sachverhalte wieder, andere konnte ich erahnen. Mit Hilfe von Reflexionsübungen, Testverfahren zum Lerntyp und zur Persönlichkeit gewannen wir Eindrücke zu Business-, Lösungs- und Beziehungskompetenzen, die Rückschlüsse auf Ausbildung und Studienfächer zuließen. Am Ende der gemeinsamen Zeit war ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob ich das Wollknäuel im Gehirn entwirrt oder der Vielfalt Vorschub geleistet habe.

Resümee: Unsere Ypsiloner werden das Kind schon schaukeln, mit Mut, Verantwortung und Eigeninitiative und dann wird aus der verwirrenden Vielfalt und Entscheidungsohnmacht Selbstfindung und Zielstrebigkeit. Frei nach dem Motto, die Jugend soll Ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können im Labyrinth nicht schaden.

Mit adventlichen Grüßen

Ihr  Frank Uffmann

[1] Vgl. Psychologie Heute 09/2017, Artikel Anne-Ev Ustorf S. 59 ff

#EX-Manager im Spielzeugland

Erlebnisse eines jungfräulichen Autors auf der Frankfurter Buchmesse zwischen digitalen Medien und Menschen.

Meine Frau hatte schon seit Jahren den Wunsch, die Buchmesse in Frankfurt zu besuchen, weil sie Bücher so sehr liebt. Ich hingegen teile ihre Leidenschaft nur bedingt, denn als richtiger Kerl bin ich eher technikorientiert, wäre da nicht mein großer Traum…

Seit dem Abschluss meiner Diplomarbeit im Jahre 2009 brennt in mir der immer dringender werdende Wunsch, mein Fachbuch zum Thema Führung zu schreiben und zu veröffentlichen. In den letzten zwei Jahren und insbesondere in den vergangenen drei Monaten floss somit der Großteil meiner Arbeitszeit und Energie in die Realisierung meines Traumes. Meine Frau und ich heirateten an einem Freitag den 13. vor fünfundzwanzig Jahren und wieder sollte ein 13. Freitag ein besonderer Tag werden: Freitag, der 13. Oktober 2017 auf der Buchmesse in Frankfurt.

Ich hatte mir eine Liste der Verlage vorbereitet, die ich gerne besuchen wollte. Dabei unterscheide ich in klassische und Selfpublishing Verlage und Verlagshäuser, die in ihrem Konzern auch Tageszeitungen (Handelsblatt/Frankfurter Allgemeine) publizieren. Mit mittlerweile zwei Leseproben im Gepäck werfen wir uns unbedarft in das Getümmel, in diesem Fall können Sie das wörtlich nehmen, wobei wir ausgesprochen neugierig auf die heutigen Erfahrungen sind. Stellen Sie sich ein kleines Kind vor, dass mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen ein Spielzeugland betritt und Abenteuerlust verspürt. Exakt so fühle ich mich mit meiner voller Stolz überquellenden Tasche (da sind meine Manuskripte drin) über meiner Schulter, als ich an den Stand vom dtv-Verlag trete und mein Angebot zur Verlegung meiner beiden Bücher vorbringe. Mein in mir brennendes Feuer kann ich kaum an die nette Dame transportieren, denn so erwartungsvoll mein Blick auch ist, ebenso schnell erwischt mich die erste kalte Dusche: „Haben Sie einen Termin?“ „Nein“, antworte ich überrascht und die Frau drückt mir einen Zettel Wichtige Hinweise für das Einsenden von Manuskripten in die Hand. Ein unverbindliches Lächeln und das wiederauflebende Gespräch mit der Kollegin tragen die eindeutige Botschaft in sich: „Du bist heute erst der 1.024 selbsternannte Autor, der glaubt einen Termin zu bekommen“. Ich schaue ob der Kürze der Konversation etwas verdutzt und mit einem Fragezeichen im Gesicht wende ich mich meiner Frau zu. Die dann folgenden Erfahrungen sind die gleichen, egal ob ich beim Rowohlt Verlag, Gabal oder Campus vorspreche: kaum gebe ich mich als Autor zu erkennen, schon bekomme ich entweder obigen Zettel in die Hand gedrückt oder erhalte die Aufforderung, meine Manuskripte über die Homepage hochzuladen. Aus dem veränderten Gesichtsausdruck meiner Frau schließe ich messerscharf, dass mir meine Enttäuschung im Gesicht geschrieben steht. In der gemeinsamen Diskussion wird uns jetzt klar, das Geschäftsmodell „Messe“ scheint sich hauptsächlich zwischen Verlag und Buchhändler abzuspielen und ist offenbar keine Plattform für neue Autoren.

Mit deutlich kleiner lodernder Flamme in mir wenden wir uns den Selfpublishing Verlagen wie BoD oder epubli und neobooks zu, die zu unserer großen Überraschung intensives Interesse zeigen und sich viel Zeit für meine Fragen nehmen. Ich verstehe auch bald, das Selfpublishing ein ganz anderes Business ist, wenngleich ebenfalls interessant.

Mittlerweile sind wir seit Stunden unterwegs, ein wenig wackelig auf den Beinen, bis uns ein Zufall zum Versus Verlag führt. Hier entbrennt ein interessantes Gespräch zwischen der Geschäftsführerin und mir und ich spüre Interesse an mir und meinem Buch. Es braucht nicht viel, um das Feuer in mir wieder zum Erstrahlen zu bringen und meine Gesprächspartnerin bleibt nicht von meiner Begeisterung verschont. Als Krönung lasse ich sowohl Unterlagen als auch einen Stick mit einer Leseprobe zurück. So hatte ich mir das in meinem laienhaften Verständnis vorgestellt! Unser letzter Besuch beim Handelsblatt Fachmedien Verlag toppt das Erlebnis vom Versus Verlag noch in Form einer kompetenten, engagierten und interessierten Gesprächspartnerin. Mir geht ein Licht auf und ich verstehe, der Mensch macht den Unterschied. Realitätsnaher und ein wenig beseelt beenden wir unseren Besuch auf der Buchmesse mit spannenden Erfahrungen im Gepäck.

Fazit: Die Digitalisierung verändert unser aller Leben und ist der Grund für die Entwicklung meines Führungsmodells, das ich in meinem Fachbuch veröffentlichen werde. Ich betrachte mich als ausgesprochen aufgeschlossen gegenüber den Bits & Bytes, doch in obigem Erlebnis stecken für mich folgende Erkenntnisse:

  1. Der Mensch macht den Unterschied.
  2. Digitalisierung ist emotionsfreie Zone!

Nutzen wir die positiven Seiten der Digitalisierung zur Standardisierung von technischen Arbeitsabläufen, damit wir Menschen uns auf Innovationen und Emotionen konzentrieren können.

Mit herzlichen Grüßen aus Düsseldorf

Ihr     Frank Uffmann

#Dieselgate – Germany made

Manager zwischen Ethik und Moral im Dieselskandal

Als Jugendlicher hatte ich mir geschworen, niemals einen Mercedes zu fahren, denn mein Vater fuhr mehrere Autos dieser Marke nacheinander und natürlich wollte ich mich abgrenzen, so wie das Jugendliche nun mal tun. Für meinen Vater war der Benz sein Ein und Alles und für mich das Symbol für WOHLSTANDSDEUTSCHLAND, genauso wie das im Film Maria ihm schmeckt´s nicht (Papa Antonio fährt stolz mit seinem Mercedes in sein Heimatdorf nach Italien) dargestellt ist. Nun sitze ich in meinem Benz und werfe den Vierzylinder-Diesel an und frage mich, ob auch in meinem Mercedes eine Betrugssoftware eingebaut ist?“ Ein Blick in meinen Fahrzeugschein verrät mir, dass mein Auto nach der Abgasnorm Euro 6 eingestuft ist. Mein Gefühl im Bauch verbessert sich, wird aber auch nicht wirklich gut. Ab jetzt fährt dieses Gefühl auf dem Beifahrersitz mit. Na dann: bitte anschnallen!

Das ist mein ganz persönlicher Blickwinkel und ich erweitere den Fokus jetzt auf Deutschland. Wir, das Volk der Deutschen, stehen für Qualität, Gründlichkeit, Korrektheit, Fleiß, Pünktlichkeit und vieles mehr, wobei andere Menschen in anderen Kulturen sicherlich eine differenzierte Betrachtung dieser Eigenschaften vornehmen. Wie auch immer hat unsere Marke „Made in Germany“ uns über viele Jahre den Titel Exportweltmeister eingebracht und die Automobilindustrie war unser heiliger Gral für WOHLSTANDSDEUTSCHLAND. Das ist nun für das In- und Ausland Geschichte. Ich frage mich schon, ob der „Handvoll“ Manager bewusst ist, welchen Schaden sie damit der Marke „Made in Germany“ zugefügt haben. Der ein oder andere von uns wird in seinen Ferien im Ausland sicherlich Kontakt zu diesem Thema haben. Meine Meinung dazu: „Das wird nicht witzig sein!“

Nun bin ich weit weg von den ursprünglichen Informationsquellen und bilde mir meine Meinung durch Informationen aus dem Internet oder der Zeitung. Meine Interpretation zu Dieselgate ist: die Auflagen für die Abgasnorm waren so hoch, dass diese nur unter Einschaltung einer Betrugssoftware erreicht wurden. Diese Vorgehensweise könnte Bestandteil der Absprachen im Kartell gewesen sein, was zu der Annahme führt, dass mehrere Automobilhersteller den Betrug durchgeführt haben. „Also wenn das alle machen, dann wird das wohl in Ordnung sein“, wird sich vielleicht der ein oder andere gedacht haben.

Moral ist die Gesamtheit der Normen, die in der Gesellschaft nach Übereinkunft und Einsicht gelten, zur bestmöglichen Form des menschlichen Zusammenlebens (nach Fenner 2008)

Wenn ich die Definition von Moral betrachte und auf Dieselgate übertrage, dann hat es offenbar eine Übereinkunft gegeben und die nötige Einsicht war ebenfalls vorhanden. Vielleicht finden wir allerdings in der Formulierung „zur bestmöglichen Form“ ein Haar in der Suppe, unter Kostenaspekten vielleicht auch nicht.

Zusammengefasst: das haben alle gemacht und somit ist es moralisch vertretbar!

Dieses Beispiel ist wie geschaffen für die Unterscheidung von Moral und Ethik, denn der

Ethik liegen allgemeine Prinzipien oder Beurteilungskriterien zur Beantwortung der Frage, wie man handeln soll (nach Fenner 2008)

zugrunde. Um es auf den Punkt zu bringen:

Ethik stellt tugendhaftes Verhalten in einer Gesellschaft dar und Moral repräsentiert das gesellschaftlich tolerierte Verhalten

Gesellschaftlich toleriert hätten die Käufer der Fahrzeuge die Software sicherlich nicht und so ist diese Vorgehensweise von tugendhaften Verhalten so weit entfernt, wie der Mond von der Erde.

Was treibt einen Manager dazu an, trotzdem so zu handeln? „Geld?“ Nein, ich glaube, da steckt mehr dahinter: aus den drei Motiven MACHT, LEISTUNG und BEZIEHUNG spielen aus jedem Bereich ein oder mehrere Aspekte eine Rolle.

Macht: Wie sehr einzelne Menschen an ihrer Macht hängen, mache ich an Politikern wie auch Wirtschaftsbossen fest, die erst „den Stuhl räumen“, wenn der äußere Zwang keine andere Lösung mehr zulässt. Beispiele dafür können wir fast wöchentlich in den Medien nachlesen.

Leistung: Mir gehen Bilder von Automessen durch den Kopf, wenn Vorstände ihre neuesten Errungenschaften in Optik und Technik ihrer Stars vorstellen und im Anschluss in einer Pressekonferenz die erreichten Ziele im Gewinn des Konzerns präsentieren. Herausforderung gelöst, Ziele erreicht!

Beziehung: Die Kraftquelle für dieses Motiv heißt: Anerkennung! Unser soziales Miteinander ist geprägt von dem Hunger nach Anerkennung, der sich in fast allen Lebenssituationen wiederspiegelt. Das gilt für viele Menschen in allen Gesellschaftsschichten.

Fazit: Die Entscheidungen für den Einbau einer solchen Software nur auf wirtschaftliche Marktmechanismen bzw. Notwendigkeiten zurückzuführen, wäre mir zu banal. Ich glaube, dass die verantwortlichen Manager der Droge Anerkennung (Geld ist eine Form der Anerkennung) verfallen sind, denn wie ließe sich sonst dieses unethische Verhalten erklären.  Ich kann es nicht…

Was ich aber kann, ist meine Hilfe anbieten. Meine Mission: Führung verändern – mit Erfolg und zum Erfolg führen!

Herzliche Grüße aus Düsseldorf

Ihr

Frank Uffmann

 

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Man kann nicht nicht kommunizieren

Artikel aus der Zeitschrift PERSPEKTIVEN – Die Führungskräfte 12/2016

Lesezeit: 10 Minuten

„Man kann nicht nicht kommunizieren“

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen in ihrem Büro, die Tür geht auf und Herr Müller erscheint zum verabredeten Termin: smarter Typ etwa Mitte dreißig, modisch gekleidet mit einem Drei-Tage-Bart im Gesicht. Oder die Tür geht auf und Herr Müller erscheint zum verabredeten Termin: Anzugjacke offen, die Hose leicht abgewetzt an den Knien, leicht hängende Schultern und eine dicke Hornbrille auf der Nase. Hatten Sie jetzt jeweils ein Bild in ihrem Kopf? Ihre Amygdala in Ihrem Gehirn hat schon nach einer Zehntelsekunde entschieden: den finde ich sympathisch oder auch nicht. Herr Müller betritt den Raum und eine Kommunikation beginnt, auch ohne ein Wort zu sagen. Sie können auch kommunizieren durch Handlung oder auch kommunizieren durch „keine Handlung“, wie Sie noch lesen werden. Auf jeden Fall gilt: Kommunikation ist wichtiger als Führung und auch wichtiger als Management, denn führen oder managen können sie nur durch und mit Kommunikation.

Erstes Beispiel:

Viele von Ihnen werden sich an das „Victory-Zeichen“ von Josef Ackermann erinnern (Nonverbale Kommunikation), was einen Aufschrei in der Presse nach sich zog. Wie hat Prof. Paul Watzlawick schon so treffend in seinem ersten Axiom festgehalten: „MAN KANN NICHT NICHT KOMMUNIZIEREN“ und somit hat Herr Ackermann seine Botschaft „gesendet“.

Zweites Beispiel: Matthias Müller, seines Zeichens Vorstandschef bei VW, gibt am 10.Januar 2016 in den USA, in Detroit, im Radiosender NPR ein Interview, indem er auf die Anmerkung des Reporters, „Amerikaner hielten den Vorfall (gemeint war die „Dieselgate“-Affäre) nicht für ein technisches, sondern ein ethisches Problem“, kühl entgegnet: „Ein ethisches Problem? Ich kann nicht verstehen, warum Sie das sagen.“ In diesem Fall eine klassische Kommunikation in einer Dialogsituation. Die Folgen sind Ihnen sicherlich noch in Erinnerung bzw. treiben VW immer noch vor sich her.

 

Drittes Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie übernehmen in vier Tagen die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden eines sehr großen Unternehmens. Würden Sie dann heute, also noch vor Dienstantritt in Ihrer zukünftigen Firma, ein Interview geben mit dem Hinweis, das Unternehmen hat „lausige IT-Systeme“, „inakzeptabel hohe Kosten“ und „teils überzogene Boni bei den Mitarbeitern“? Kommunikativ würde das sicherlich nicht seine Wirkung verfehlen. Stellen Sie sich weiterhin vor, Sie werden in den folgenden vier Monaten kaum gesehen, was Ihnen den Titel „Phantom“ in der Presse einbringt. Sie sticheln öffentlich gegen ihre Vorgänger, streichen den Aktionären die Dividende für erstmal zwei Jahre und Ihre Mitarbeiter können der Presse entnehmen, dass sie zu viel verdienen. Die Frage an Sie lautet: Hätten Sie die gleiche Kommunikationsstrategie? Nein? …ich auch nicht! John Cryan von der Deutschen Bank hat sich allerdings dafür entschieden. Meine Interpretation der aktuelleren Schlagzeilen wie „Löscheinsatz bei Investoren“ oder per E-Mail an alle Mitarbeiter „die Deutsche Bank ist grundsolide“ und „bitte bewahren Sie Ruhe“ lässt erahnen, dass diese Kommunikation nicht so erfolgreich war. In der aktuellen Studie „Der Ruf nach Freiheit“ des Personalberatungsunternehmens HAYS ist ein Ergebnis „85 Prozent der Befragten möchten schlechte Führungskräfte gerne abwählen können“ und es wäre sehr spannend, wie ein Votum der Mitarbeiter/innen der Deutschen Bank ausfallen würde, oder?

 

Alle Beispiele werfen doch eine Frage auf: Warum ist Kommunikation so schwierig?

Fangen wir am Anfang an:

Kommunikation zwischen zwei Menschen beinhaltet einen rationalen und einen emotionalen Aspekt. Betrachten Sie Abb. 1 und stellen Sie sich vor, jeder der beiden „Menschen“ wäre ein Eisberg. Der Kopf ragt aus dem Wasser heraus und der Körper ist vom Wasser versteckt. Der emotionale Anteil ist „unter Wasser“, somit nicht sichtbar, besitzt allerdings ein großes Gewicht.

Eisberg

Abb. 1 Das „Eisberg-Modell“ Quelle: eigene Zeichnung

 

Findet eine Kommunikation nur auf der rationalen Ebene statt, so gibt es keine Probleme. Nun spielt der emotionale Aspekt häufig eine Rolle, z.B. die Beziehung zwischen beiden Gesprächspartnern. Die Krux dabei ist, der emotionale Teil der Kommunikation liegt „unter Wasser“ und wird in der Regel nicht angesprochen, nimmt aber Einfluss auf das Gespräch. Besonders schwierig wird die Kommunikation, wenn die Beziehung gestört ist. Wenn Sie jemanden überreden, dann ist das ein verbales JA und ein nonverbales NEIN. In diesem Fall und auch im Fall verführen/erpressen entstehen immer „Spätfolgen“ in Form einer „Rabattmarke“, um ein anderen Bild zu erzeugen, wobei das Wesen des Rabattmarkenheftes ist, irgendwann ist es voll!!

In der Ausgabe des Manager Monitors Ausgabe 5/16 sind die Ergebnisse der Umfrage zum Thema Weiterbildung und Personalentwicklung veröffentlicht. Auf die Frage „Wo sehen Sie selbst aktuell Ihren größten Entwicklungsbedarf?“ antworten mit Abstand die meisten Führungskräfte: bei Konflikten (es gibt keinen Konflikt ohne Kommunikation) und auf Platz 3 kommt das Thema Kommunikation selbst. Zum einen erkennen die Führungskräfte, da kann ich besser werden, zum anderen ist das Ausdruck dafür, wie schwierig Kommunikation wirklich ist.

 

Ich habe mit meinen Mitarbeitern/innen zehn Jahre lang zwei Kommunikations-Modelle „trainiert“, die ihnen bei der täglichen Arbeit helfen sollten. Dabei war mir ganz wichtig, dass sie praxistauglich sind, also jederzeit abrufbar und anwendbar sein müssen. Aus diesen Gründen sind viele Kommunikationsmodelle meiner Erfahrung nach nicht für den täglichen Gebrauch einer Führungskraft geeignet, z.B. das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun. Mit zwei Modellen habe ich allerdings tolle Erfahrungen gemacht:

 

Kommunikationsmodell 1:

In Anlehnung an Lyman K. Steil bzw. in Abänderung ist das

W I R – MODELL

entstanden. Es sollte kurz und einfach sein und einen einprägsamen Namen haben. Meine persönlichen Erfahrungen und die Erfahrungen meiner ehemaligen Mitarbeiter bestätigen meine Auffassung, dass es absolut praxistauglich ist.

  1. Wahrnehmung (W): Das interessensabhängige Hören, Begreifen von Körpersprache und Gesichtsausdruck.
  2. Interpretation (I): Sinnerfassung und Deutung auf der Grundlage eigener Glaubenssätze und Erfahrungen.
  3. Reaktion (R): In einer vom Zuhörer als angemessen empfundenen Form wird auf das Gesagte verbal oder nonverbal geantwortet. Dabei gilt das kommunikationstheoretische Axiom von Paul Watzlawick, nach dem auch Nicht-Verhalten als Kommunikation wahrgenommen wird.

Abb. 2 Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Aktives_Zuh%C3%B6ren

Mit ein wenig Training kann jeder nach diesem Muster Gespräche führen, auch spontan, wenn es die Gesprächssituation erfordert.

Kommunikationsmodell 2:

Die Kommunikationstreppe, die ich aus meinem Studium beim St. Galler Management Institut mitgebracht und lieben gelernt habe.

Kommunikationstreppe

Abb. 3 Quelle: SGMI Management Institut St. Gallen, Daniel Schmidlin

 

Die Kommunikationstreppe, dessen Abbild ich z.B. auch bei Mitarbeitergesprächen auf den Tisch gelegt habe, sodass mein Gegenüber diese sehen konnte, zeichnet sich bei richtigem Einsatz durch zwei Eigenschaften aus:

  1. Wenn Sie Stufe für Stufe mit ihrem Gesprächspartner durchsprechen, dann ist spätestens nach Stufe drei klar, dass Sie beide das gleiche Verständnis haben/vom Gleichen reden. Die Kommunikationstreppe erhöht die Klarheit.
  2. Wenn Sie Stufe für Stufe bis zum Ende erklommen haben, dann erhöhen Sie die Akzeptanz und die Verbindlichkeit für die Zeit nach dem Gespräch.

 

Die hier dargestellten Möglichkeiten habe ich viele Jahre gemeinsam mit Kollegen/innen geübt und für absolut geeignet für die Praxis befunden. Nun sind diese beiden Angebote für die Kommunikation kein „Allheilmittel“, aber sie sind ein Anfang und werden Sie im Einsatz und bei häufigem Training weiterbringen. Viel Freude beim Ausprobieren!

Frank Uffmann

Kontakt: frank.uffmann@pizf.de

Coaching war gestern – Follow-in ist heute

Follow-in[1] steht für eine Lernsituation und ist als Beratungsmethode in der Erwachsenenbildung analog z.B. dem Begriff Coaching zu verstehen.

Follow-in kombiniert soziales Lernen in einer kleinen Gruppe, z.B. drei Personen (Followees), mit einzelnen Impulsen durch einen Trainer, wobei die Rolle des Trainers Wissensvermittlung in Form von „Vormachen“ (Vorbild – Lernen am Modell) anhand von Erfahrungen aus der eigenen Praxis beinhaltet. Eine weitere noch wichtigere Aufgabe des Trainers besteht in der Moderation der Gruppenbeiträge untereinander, damit ein Höchstgrad an Erfahrungsaustausch stattfinden kann. Er achtet auf handlungs- und lösungsorientierte Beiträge zur Erreichung des Lernzieles unter Nutzung der Mechanismen einer Gruppendynamik.

Follow-in findet in fünf Blöcken à jeweils drei Stunden in einem zeitlichen Abstand von vier Wochen zwischen jedem einzelnen Block statt. Zwischen den einzelnen Blöcken sind jeweils Hausaufgaben zu erledigen.

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Die Methode eignet sich besonders für den Einsatz zur Aus- bzw. Weiterbildung von Menschen in einer Führungs- und Managementaufgabe mit den Inhalten Kommunikation, Leadership und Management.

  1. Wortherkunft

Der Begriff Follow-in setzt sich zusammen aus dem englischen Verb to follow folgen/befolgen/nachfolgen und dem Adverb in. Eine Internetrecherche zeigt als Ergebnis to follow in someone´s footsteps an und aus beiden Übersetzungen lässt sich eine Vorbildfunktion ableiten, die sich auf die Rolle des Trainers bezieht. Follow-in beinhaltet demnach nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch eine Mentorenfunktion im Sinne von Netzwerken, den Menschen (Followee) weiterentwickeln, fürsorglich begleiten und an die „Hand nehmen“.

  1. Entwicklung der Beratungsmethode aus der Praxis

Grundlage für die Beratungsmethode sind die Erfahrungen aus der Praxis, die sich in der Diplomarbeit des Verfassers[2] wiederfinden. Diese Erfahrungen wurden weiterentwickelt und nach den Feedbacks von ca. fünfundzwanzig Führungskräften bis zum heutigen Standard evaluiert.

  1. Praxis
    1. Vorteile

    Durch eine so vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dieser Beratungsmethode ergeben sich diverse Vorteile:

    Für die Followees:

  • Kontinuierliche Aus-/Weiterbildung der Führungskräfte
  • Mehr Nachhaltigkeit in der Umsetzung, da das Training über einen Zeitraum von mind. fünf Monaten stattfindet
  • Erfahrungsaustausch unter „Gleichgesinnten“
  • Transfer von positiven wie negativen Erfahrungen
  • Positive Lernmotivation durch lernen in der Gruppe
  • Kollegiale Beratung untereinander
  • Unterschiedliche Persönlichkeitsprofile und Führungsstile werden als anders und wertvoll erlebt
  • Ein „Gruppenzwang“ bei den Hausaufgaben

Für den Trainer:

  • Wachsendes Vertrauensverhältnis zwischen Followee und Trainer
  • Gezielte Unterstützung für den Followee ist durch die Nähe möglich z. B. in schwierigen Führungssituationen
  • Der Trainer lernt die Stärken jedes einzelnen Followees kennen
  • Durch ständiges Üben wird der Trainer immer besser

2. Nachteile

Wird die Methode Follow-in eingesetzt, so kommt dem Verhältnis zwischen Trainer und Followees besondere Bedeutung bei. Der Grad der Offenheit in der Beratungssituation wird bestimmt vom Vertrauen z.B.  zwischen Führungskraft (Rolle Trainer) zu Mitarbeiter (Rolle Followee). Erscheint eine solche Konstellation nicht sinnvoll, ist unbedingt eine dritte Person mit der Rolle des Trainers zu beauftragen.

Wichtig ist beim ersten Treffen die Vereinbarung von Regeln, wie mit den Arbeitsergebnissen umgegangen wird. Die Followees werden sich nur insoweit öffnen, wie die Inhalte vertraulich bleiben und somit keinerlei Einfluss auf z.B. eine Beurteilung haben. Eine Teilnahme als Mitarbeiter sollte immer freiwillig sein und einen Angebotscharakter widerspiegeln.

Positiv steht zu Buche, das je häufiger Follow-in Termine durchgeführt werden, umso mehr nimmt der Grad des Vertrauens zu.

  1. Methoden

In der Aufgabe des Trainers liegen zwei Rollen begründet, die als Anforderung einen unterschiedlichen Methodenmix haben.

  1. Rolle als Moderator
    • Brainstorming, Rollenspiele, kollegiale Beratung usw.
  2. Rolle als Präsentator
    • Pantomime, Übungen zur Selbsterfahrung, Visualisierung und reine Wissensvermittlung

Der Trainer sollte jederzeit eine Sensibilität für seinen Vorbildcharakter haben und entsprechende Inhalte und Werte vermitteln.

Wichtig: Es hat sich als sinnvoll herausgestellt am Ende eines Follow-in die Arbeitsergebnisse zu visualisieren und zusammen zu fassen und für den nächsten Termin Hausaufgaben (Studium von Literatur) aufzugeben.

  1. Kritik

Fehlende objektive Nachweise der Wirksamkeit von Follow-in, da Grundlage ausschließlich eine Befragung bzw. Feedbacks der Followees sind, wobei N[3]= 25 ist.

 

[1] Vgl. Diplomarbeit Frank Uffmann Mehr Leadership-Mehr Erfolg beim St. Galler Management, 2008/09

Erste Thematisierung unten den Begriffen Follow-up und Mentoring, wobei durch die Evaluierung in den Jahren danach Follow-in als Beratungsmethode entstanden ist

Vgl. Veröffentlich als Beratungsangebot unter http://pizf.de/follow-in/ und http://pizf.de/blog/

[2] Frank Uffmann, Diplomarbeit Mehr Leadership-Mehr Erfolg beim St. Galler Management Institut, 2009

[3] N=Grundgesamtheit, Begriff aus der Mathematik/Statistik

Herzlich Willkommen!

StartJetzt geht´s los, jetzt geht´s los …

Hier kommt mein erstes Geständnis: Was ist mir in den fünfzehn Monaten am schwersten gefallen? Das warten auf diesen Tag, meinen Startschuß!

Ich begrüsse Dich/Sie lieber Leser von Herzen auf meiner Homepage und wünsche viel Freude beim „Stöbern“ in den Themen Kommunikation, Führung und Management. Wer Lust auf MEHR hat, findet auf der Homepage die Möglichkeit zur Anmeldung für den Newsletter oder eine direkte Kontaktaufnahme zu mir oder meinen Partnern.

Glück