HandySUCHT – Sklave seines Belohnungssystems

Lesezeit: 5 Minuten
Kleines EXTRA zur Ferienzeit
HandySUCHT
Ich bin jung | tolle Figur | sehe blendend aus | strahle von innen heraus in den schönsten Farben | höre dir zu | mache was du willst und wann du es willst | gehe durch dick und dünn mit dir | bin IMMER für dich da!
Sie fühlen es auch, oder? Den Drang das Handy in die Hand zu nehmen und nur kurz einen Blick darauf zu werfen, um E-Mails, Nachrichten aus den sozialen Netzwerken oder WhatsApp abzurufen. Oder haben Sie schon die nächste Stufe erreicht und stellen ständig Statusmeldungen ein? Das Handy macht etwas mit uns, doch warum ist das so?
Unser Gehirn ist in verschiedene Areale aufgeteilt und beheimatet unter anderem das ventrale Striatum, der Sitz unseres zentralen Belohnungssystems. Sie sehen ein Stück leckeren Kuchen und Schwupps ist es aktiviert und sie möchten diese Köstlichkeit probieren. Beim Probieren des Kuchens erfüllt sich ihre Erwartung und das speichert das Gehirn ab. Beim nächsten Mal, wenn sie einen köstlichen Kuchen sehen, wird dieser Drang verstärkt sein. Das funktioniert wie mit dem Glas Wein abends zur Entspannung – zur Belohnung für den geschafften Tag – nur das mit steigender Häufigkeit eine Aktivierung ihres Belohnungssystems schon dann in Gang kommt, wenn sie nur daran denken und somit der Drang nach einem Glas Wein umso größer wird.
Vom Kuchen und dem Glas Wein zurück zum Handy: das frühere Telefon und auch das Anfang der neunziger Jahre folgende mobile Handy waren auf eine Kommunikation zwischen zwei Menschen ausgelegt. Mit der Welteroberung des Smartphones wurde die Kontaktmöglichkeit revolutioniert in Kommunikation in Schrift, Bild, Ton und Video und das weltumspannend und an einen oder Millionen von Empfängern gerichtet. Plötzlich kann der einzelne User als Follower Teil einer Gemeinschaft sein und so Zuwendung erhalten. Likes vermitteln Anerkennung und die vermeintlich sozialen Kontakte gaukeln eine imaginäre Zugehörigkeit vor, die, wenn sie ausbleibt, zu Angst und Depressionen führen kann. Genau aus diesem Grund wollen User ständig erreichbar und informiert sein, um dem eigenen Dasein etwas mehr Glanz zu verleihen. Die Droge Handy hat zugeschlagen und sie sind Sklave ihres Belohnungssystems.
Mittels einer App wurde schon im Jahr 2016 in einer nicht repräsentativen Erhebung (300.000 Nutzer) festgestellt, dass User täglich 88-mal aufs Display schauten, was anschließend 53-mal in eine Aktivität mündete. Dieser ständige und unbewusste Drang sein Handy in die Hand zu nehmen hat negative Auswirkungen auf unser Leben, sei es auf unsere Konzentration, Kreativität, sozialen Interaktionen bis hin zu Einschränkungen der Produktivität auf der Arbeit. Auf die Liste der bisher bekannten Drogen könnte auch das Smartphone auftauchen, denn eine Handysucht wird demjenigen bescheinigt, der 60-mal am Tag aufs Handy schaut und nach den Marktforschungsexperten von Flurry gibt es davon weltweit 176.000.000 Menschen.

Die Art und Geschwindigkeit der Kommunikation verändert unser Leben in vielen Bereichen. Von der Zeichensprache in der Stammesgesellschaft vor 10.000 Jahren, zur Schriftgesellschaft im alten Ägypten vor 3.000 Jahren, zur massenmedialen Gesellschaft durch den Buchdruck im Jahr 1458 durch Johannes Gutenberg hin zur computermedialen Gesellschaft heute, womit unsere kurze Zeitreise wieder am Ziel, dem Handy, angelangt ist. WhatsApp, Facebook, Twitter und YouTube beweisen eindrucksvoll, wie ein früheres Gespräch mit Freunden zum heutigen Statisten als Follower mutiert.

Ich glaube, wir sind Zeitzeugen des Überganges von der Medienepoche der Buchdruckgesellschaft zur computermedialen Gesellschaft und die Exponentialkurve der Veränderungen wird noch deutlich an Steilheit gewinnen. Auch wenn unsere Amygdala Stabilität und Vorhersehbarkeit liebt, ihre erhöhte Aktivität in unseren Gehirnen, um uns alle an neue Situationen und Unsicherheiten anzupassen, steht uns bevor. Der point of no return liegt schon lange hinter uns…

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann

Die eigene Angst ist die Macht des anderen

Lesezeit: 5 Minuten
Das ABC der Führung
Teil XVIII: Macht
Im Handbuch über Machtausübung wird für neue Kollegen der oberen Führungsebenen empfohlen, mit einem Ferrari, egal ob der eigene oder gemietete, in die Tiefgarage der Zentrale zu fahren, um dann auf den Parkplätzen des Vorstandes zu parken. Das steigert in Windeseile den Bekanntheitsgrad und sichert den ersten Platz in der Beliebtheitsskala der Kollegen Vorstände, vor allem dann, wenn man selbst nicht in dieser Funktion eingestellt wurde. Somit ist gleich klar, wer hier der neue Chef im Ring ist und die Reviermarkierung Teil eins ist abgeschlossen. Vielleicht hat sie im Laufe ihrer Karriere auch schon mal eine Machtdemonstration eines Vorgesetzten in dieser oder anderer Art an ein stark vorpubertäres Verhalten erinnert…

Bedeutung/Definition:
Macht ist die Möglichkeit und Fähigkeit auf andere Menschen Einfluss in Bezug auf Handlungen, Entscheidungen oder Meinungen auszuüben, auch gegen deren Willen. Dies gilt für Institutionen, Organisationen oder auch einzelne Personen und ist mit dem Ziel der Förderung der eigenen Interessen verknüpft, wobei die Durchsetzung von Macht durch Überzeugung, Zwang oder auch Belohnung erfolgt.

Wie nutzt ein Vorgesetzter seine Macht positiv?
Zum Wohle der Mitarbeiter und der Organisation! Im Sinne der Organisation, damit die Führungskraft ihren Beitrag zum Erfolg leistet und im Sinne der Menschen, um diese im Rahmen der Führungsaufgabe zu leiten und weiterzuentwickeln.

Wann setzt eine Führungskraft Macht ein?
Als Leitlinie gilt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Die Aufgabe einer Führungskraft beinhaltet das Treffen von Entscheidungen (Auswahl von Handlungsalternativen) und in diesem Sinne Übernahme von Verantwortung in der Führungsaufgabe.

Praxistipp:
Der Einsatz von Macht im eigenen Führungsstil kann sinnvoll sein, wenn der Vorgesetzte kein Vertrauen zu seinem Mitarbeiter hat und dieser gleichzeitig keine Zielkongruenz vorweisen kann. Als Konsequenz daraus ist die Ausübung der Positionsmacht im Sinne der Organisation, um den Mitarbeiter wieder auf Zielpfad zu bringen. Hat eine Führungskraft noch kein Vertrauen zu beispielsweise einem ganz neuen Mitarbeiter aufgebaut, dann ist den Mitarbeiter Anzuleiten das richtige Mittel der Wahl. Liegt ein Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiter und Chef vor, ist der Einsatz von Macht in der Regel obsolet.

Risiken und Nebenwirkungen:
Studien belegen, dass Macht im Zeitverlauf in zunehmendem Maße die Psyche von Menschen und damit die Persönlichkeit verändert. Je länger der Zeitraum der Machtausübung, desto selbstverständlicher der Machteinsatz dieser Menschen über andere und desto größer die Suchtgefahr danach.

No-Gos:
Ein Missbrauch von Macht, egal ob durch Überzeugung, Zwang oder Belohnung, dient in der Regel den eigenen Interessen. Auch wenn Machtspielchen in Unternehmen, der Politik oder in Verbänden weit verbreitet sind, ist Machtmissbrauch zur persönlichen Vorteilsnahme ein klares No-Go!

Macht, Leistung und Beziehung sind drei Grundmotive, die in der Psychologie beschrieben werden. Hinter dem Bedürfnis nach Macht stehen Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Eigenständigkeit, Gestaltung und Einfluss. Dabei steht die Durchsetzung eigener Interessen und Vorstellungen im Vordergrund. Die Ausübung von Macht ist immer verbunden mit der Hoffnung auf Kontrolle und der Furcht vor Kontrollverlust und dabei ist die eigene Angst die Macht des anderen!

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann

Lernen will gelernt sein

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Das ABC der Führung
Teil XVII: Lernen
Imitationslernen und Lernen aus Konsequenzen sind in Unternehmen vielfach die vorherrschende Lernmethode. Beim Imitationslernen beobachtet eine Person das Verhalten einer anderen Person (Modell) und entwickelt aus dieser Beobachtung heraus sein eigenes Verhalten. Eine ebenso verbreitete Art zu lernen ist das Lernen aus Konsequenzen. Arbeitsanweisungen und damit Grenzen haben ihre Berechtigung, allerdings nur, sofern sie nicht in Bürokratie und Überregulierung münden. Ein Überschreiten dieser Grenzen und die daraus folgenden Konsequenzen beschreiben eine Lernsituation aus Strafe bzw. im Gegenteil aus Belohnung. Die aktuelle Hirnforschung hat bewiesen, dass diese Art des Lernens Belohnungs- empfänger und Strafvermeider herangezüchtet, aber keine agilen und kreativen Mitarbeiter. Fazit: Lernen will gelernt sein, gerade in einer Zeit voller Veränderungen…

Bedeutung/Definition:
Als Lernen wird absichtlicher, beiläufiger, individueller oder kollektiver Erwerb von geistigen, körperlichen und sozialen Kenntnissen und Fertigkeiten verstanden. Die Lerntheorie unterscheidet dabei zwei Hauptzweige, den Behaviorismus (beobachtbares Verhalten) und den Kognitivismus (auf Erkenntnis beruhend).

Warum ist Lernen so wichtig?
Lernen bestimmt in zunehmendem Maße die Arbeitsfähigkeit (Employability) des einzelnen Arbeitnehmers und jeder Einzelne muss, anders als in der Vergangenheit, vermehrt die Verantwortung dafür übernehmen. Aber auch für ein Unternehmen ist lernen, sich entwickeln und anpassen in Zeiten schneller Veränderungen überlebenswichtig.

Wie lernt man richtig?
Auf Basis seines persönlichen Lerntyps legt ein Mitarbeiter seine Lernstrategie fest. Idealerweise begleitet dann die Führungskraft in ihren neuen Führungsrollen LernCoach und LeaderTeacher die Weiterbildung seines Mitarbeiters.

Die Führungsrolle des LernCoach vereint Eigenschaften eines Captains, Trainers und Entwicklungsbegleiters für ihre Mitarbeiter oder des ganzen Teams. Dagegen zeichnet sich die Rolle als LeaderTeacher in der Weitergabe von Fach- und Führungswissen an ihre ihm direkt unterstellten Mitarbeiter aus.

Praxistipp:
Bei der Vergabe von Aufgaben in einem Team sollte die Führungskraft darauf achten, dass der Lernstil des Mitarbeiters zur ihm übertragenen Aufgabe passt. Das beflügelt in der Regel die Freude während der Durchführung und das Ergebnis ist oft besser.

Risiken und Nebenwirkungen:
Lernen beinhaltet viele positive Aspekte, die allerdings beim Lernen unter Zwang ihre Wirkung verlieren.

No-Gos:
Aktuelle Studienergebnisse deuten darauf hin, dass es den Mitarbeitern sehr klar ist, dass sie sich weiterbilden müssen, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass sie kaum Eigeninitiative zur Fortbildung ergreifen. Diese alarmierenden Ergebnisse machen klar, wie wichtig die Rolle der Führungskraft als LernCoach in der engen Begleitung seiner Mitarbeiter heute schon ist und morgen immer mehr sein wird.

Der Neurobiologe Professor Dr. G. Hüter bringt es in einem Interview im Juni 2016 auf den Punkt: Wir sind im Trend auf dem Weg weg von mehr Produktivität und hin zu mehr Innovation, denn die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. In Zukunft werden Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt und wir müssen uns darauf besinnen, was uns von Maschinen unterscheidet. Das ist Intentionalität und vor allem Kreativität! Lernen wird in Zukunft zunehmend in einem Team stattfinden, um diese Kreativität und Innovation miteinander bzw. aufbauend aufeinander zu erreichen. Hierfür sind neue Lernformen und Einsichten über deren Notwendigkeit vonnöten. Der richtige Zeitpunkt hiermit zu starten ist immer J E T Z T!

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann