Motivieren – Die Möhre für den Esel!

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Das ABC der Führung
Teil XXI: Motivation
Das Thema Motivation ist mehr denn je in aller Munde, denn die Anreize der Vergangenheit haben zu Fehlentwicklungen geführt und die Verantwortlichen suchen jetzt nach neuen Lösungen. Aktuelle neurowissenschaftliche Studien belegen, dass Belohnungssysteme die Eigenmotivation schwächen, denn der Anreiz der Belohnung untergräbt die freie Entscheidung des Mitarbeiters. Für Reinhard K. Sprenger (Mythos Motivation) war das zu Grunde liegende Menschenbild bereits 1991: wenn die Führungskraft eine Möhre hinhält, dann ist seine Annahme, der andere ist ein Esel. Auch heute noch ein interessanter Gedanke, wie ich persönlich finde…

Bedeutung/Definition:
Motivation ist der Zustand einer Aktivierung im Körper, hervorgerufen durch Motive, die in ein bestimmtes Verhalten umgesetzt wird. Die Aktivierung führt zu Handlung, nimmt eine Richtung auf, wird mit einer bestimmten Intensität und Ausdauer ausgeführt, um dann ein Ziel zu erreichen. Wichtiger Aspekt dabei ist, dass sowohl der Bauch (emotional) als auch der Kopf (rational) übereinstimmen müssen. Motivation kann auch als Triebkraft für Verhalten bezeichnet werden.

Abgrenzung: Wo liegt der Unterschied zwischen Motivation und Motivierung? Motivation kommt von innen heraus (intrinsisch), wogegen Motivierung die Einflussnahme -z.B. einer Führungskraft zur Steigerung der Verhaltensbereitschaft- von außen (extrinsisch) ist. Wenn man also einen Mitarbeiter lobt, dann ist das laut Sprenger Motivierung und hat mit Fremdsteuerung zu tun. Meine persönliche Erfahrung mit Blick auf die Bedürfnispyramide von A. Maslow ist allerdings eine andere. Ein Lob stellt eine Bedürfnisbefriedigung der Ich-Bedürfnisse (Anerkennung) dar und oft konnte ich nach einem Lob in strahlende Augen schauen. Es bleibt allerdings die Frage, wo beginnt Motivierung und wo Manipulation?

Warum ist Motivation wichtig?
Wenn ein Mitarbeiter motiviert ist, dann arbeitet er mit Freude, was sich auf das Dreieck Kunde (positives Kauferlebnis), Mitarbeiter (Spaß/Freude) und Eigentümer (höherer Gewinn) positiv auswirkt. Viele Studien haben den Zusammenhang von Motivation und einem besseren ökonomischen Ergebnis nachgewiesen. Freude an und auf der Arbeit ist ansteckend, fördert den Teamgeist, die Loyalität, die Identifikation mit dem Unternehmen und sorgt für eine niedrigere Mitarbeiterfluktuation.

Wie motiviere ich erfolgreich?
1. …durch das eigene Führungsverhalten
2. …durch die Art und Weise der Kommunikation
3. …durch die eigene Person (Vorbild)
4. …indem ich nicht demotiviere!

Praxistipp:
Einsatz eines Stundenplanes für Momente der Wahrheit.
Loben sie authentisch und bei guter Leistung einen Mitarbeiter und zaubern sie so ein Lächeln auf sein Gesicht, dann, aber nur mit Lächeln und leuchtenden Augen, dürfen sie einen Strich auf dem Stundenplan machen. Wenn bis zum Wochenende kein einziger Strich auf dem Plan steht, also keine Momente der Wahrheit von ihnen ausgegangen sind, dann denken sie noch mal über ihr Führungsverhalten nach. Die Idee dahinter ist, sich selbst zu disziplinieren und positive Leistungen zu suchen, um dafür mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Probieren Sie es aus! Es macht Spaß und tut richtig gut – ihrem Mitarbeiter und ihnen selbst.

Risiken und Nebenwirkungen:
Die Motivation eines Mitarbeiters wird stark durch den direkten Vorgesetzten beeinflusst: People leave bosses, not companies (Mitarbeiter verlassen ihren Chef, nicht das Unternehmen). Dieser Satz verdeutlicht, wie wichtig der Einfluss der direkten Führungskraft ist. Falls sie nun als Führungskraft auf die Idee kommen, die Beziehung zum Mitarbeiter positiv zu beeinflussen und zum Mittel der Motivierung greifen, dann gilt die Regel: authentisch sein! Der Mitarbeiter merkt sofort, wenn Sie etwas tun, was nicht authentisch ist und nicht zu Ihnen passt. Also: von Herzen oder gar nicht!

No-Gos:
Falls ihr Unternehmen Gewinnmaximierung als den heiligen Gral des Organisationszieles erkoren hat und mittlerweile bei ihnen sogar den Arbeitssinn ersetzt, dann ist ihr Gehalt und ggf. ihr Bonus zum Schmerzensgeld mutiert und die Motivation endgültig durch Motivierung ersetzt. Zeit für Veränderung…

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm’ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann

Beziehung – Mitarbeiterorientierte Führung

Führen mit dem Modell der Triagilität

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Teil III: Beziehung – Mitarbeiterorientierte Führung
Fußballweltmeisterschaft 2014: ein Team, ein Wille und ein Ziel: Weltmeister zu werden! Wir wissen es alle, Jogi hat es mit seinen Mannen geschafft. Die Jungs zeigten gemeinsam Höchstleistung im Team und volle Identifikation! Nur so ist Spitzenleistung möglich. Nun ist eine solche Leistung nicht so einfach reproduzierbar, wie wir an der WM 2018 feststellen konnten. Das ist die Lehre aus dem Fußball und natürlich kann man dieses Fazit auch auf die Realität der täglichen Führungsarbeit in Unternehmen übertragen!

Um mit einem Team Höchstleistung zu erreichen, bedarf es einiger wichtiger Schritte, die nacheinander, Stufe für Stufe, erklommen werden müssen. Dabei liegt die aktive Rolle immer bei der Führungskraft, die sich im Rahmen seiner Fürsorge (siehe Beitragsbild erste Stufe) zum Beispiel für einen gesundheitsfördernden Arbeitsplatz eines Mitarbeiters einsetzt und echtes Interesse am Menschen zeigt. Gerade als neue Führungskraft legen diese Verhaltensweisen schnell die Grundlage für die Akzeptanz als neuer Chef.

Praxistipp:
Führen sie Gesundheitstage, zum Beispiel gemeinsam mit einer Krankenkasse oder einem privaten Anbieter für Physiotherapie und Rehabilitation, durch. Vielleicht können sie dabei persönliche Erfahrungen an ihre Mitarbeiter weitergeben.

In der zweiten Stufe (siehe Beitragsbild) geht es um Spaß und Freude an und mit der Arbeit, vor allem gemeinsam mit den Kollegen und bestenfalls auch mit der Führungskraft. Diese Stufe zielt auf die Beziehung zum einzelnen Mitarbeiter ab und spricht somit das Bauchgefühl an. Je besser das Verhältnis der Führungskraft zu jedem einzelnen Teammitglied ist, desto schneller bildet sich ein Teamgeist.

Die dritte Stufe zu erreichen ist schon eine anspruchsvolle Leistung, denn Vertrauen zu schaffen ist nur noch bedingt beeinflussbar. Im Idealfall wird Vertrauen mit Gegenvertrauen honoriert und so eine positive Vertrauensspirale in Gang gesetzt. Werte, sowohl persönliche als auch die des Unternehmens, müssen erlebbar sein, und so wird aus der riskanten Vorleistung Vertrauen eine Chance auf Loyalität seitens des Mitarbeiters. Allerdings werden, unabhängig von deren Anzahl, nicht alle Kollegen der Führungskraft vertrauen, egal was sie tut oder lässt. Die zahlreichen Berichterstattungen in den Medien über einen Werteverfall auch bei Personen des öffentlichen Lebens zeugen davon.

Der letzte Schritt zur Höchstleistung, Stufe vier, beinhaltet die Rolle der Führungskraft als Vorbild. In Zeiten immer flacher werdender Hierarchien gilt es, den Standesdünkel hinten an zu stellen und die Rolle des Chefs durch anpacken, mitmachen und vormachen eher teamorientiert zu gestalten. In seiner Vorbildrolle digital zu sein, versteht sich in Zeiten des besonders schnellen Wandels von alleine. Wenn also der Mitarbeiter die Stufen Akzeptanz, Teamgeist und Loyalität erklommen hat, dann ist der Weg zur Identifikation mit der Führungskraft frei. Vielleicht gelingt ja noch eine Prise Sinngebung, dann könnte aus dem Beruf sogar Berufung für einzelne Mitarbeiter werden.

Praxistipp:
Reflektieren sie in einer ruhigen Stunde, auf welcher Stufe sie mit jedem einzelnen Mitarbeiter stehen. Wechseln sie zur Mitarbeitersicht und nehmen sie die gleiche Einschätzung vor, um dann aus den Erkenntnissen einen Aktionsplan für weitere Schritte abzuleiten. Ein Gespräch über die gemeinsame Beziehung kann ebenso eine gute Idee sein.

Faktor Zeit: das Erklimmen jeder einzelnen Stufe braucht Zeit. Heute neue Führungskraft und morgen habe ich das Vertrauen des Mitarbeiters funktioniert bei uns Menschen nun mal nicht.

Aber Vorsicht: Egal auf welcher Stufe sie oder die Mitarbeiter sich gerade befinden, die Treppe herunter geht in Sekundenschnelle.

Also Hand auf´s Herz:
Wie ist ihre Beziehung zu ihren Mitarbeitern?

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm’ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann