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Auf dem Düsseldorfer Wirtschaftskongress vor zwei Wochen unterhielt ich mich unter anderem mit Helmut Muthers (Initiative Bundesverband 50 +) über den sich in aller Munde befindlichen Dieselskandal. Meine Gesprächspartner und ich waren uns in der ethischen Bewertung einig, als Herr Muthers zu berichten wusste, dass sich Mitarbeiter von VW für den Dieselskandal schämen und plötzlich war der Gedanke für diesen Artikel geboren. Wann haben Sie sich das letzte Mal fremdgeschämt?

Ich:
• als ich im Oktober dieses Jahres im Urlaub die Selbsthinrichtung unserer Politiker um die Migrationspolitik erfolglos unseren europäischen Mitwanderern zu erläutern versuchte …
• als am 19. Oktober anno Domini mein Lieblingsfußballverein diese sehr merk – würdige Pressekonferenz abhielt, was zur Verbannung meiner geliebten Lederhose in die hinterste Ecke meines Schrankes führte…
• als für das Sommermärchen 2018 mein Bierfass für das Achtelfinalspiel unserer National – Mann – schaft noch nicht einmal gekühlt war, bevor die Räuberpistole die Kugel durch das Fass trieb und zur Ballerbrühe degradierte, ob der Leistung und Einstellung unseres Dreamteams…
• als ich auf die Heckklappe meines Dieselfahrzeuges schaute und das Gütesiegel Made in Germany zum Label ohne Wert mutierte…

Ich kann mich an keine Akkumulation dieser Vielzahl an selbst erlebten Peinlichkeiten erinnern… bis auf die vielen gelesenen und gesehenen Geschehnisse rund um Donald Trump. Gut, weder schäme ich mich für ihn, noch empfinde ich Fremdscham, wohl eher Schadenfreude nach dem Motto, jedes Land bekommt den Präsidenten, den es wählt (oder sitzen wir aus politischer Sicht betrachtet selbst im Glashaus? 😊).

Aber warum liegt das Gefühl der Schadenfreude so nahe beim Gefühl der Scham? Krach von der Philipps-Universität Marburg erläutert das folgendermaßen: Anders als die Basisemotionen wie etwa Angst, Wut oder Traurigkeit gehört Schamgefühl zu den im Laufe des Lebens entwickelten sozialen Emotionen, wie beispielsweise Schuld, Stolz oder Eifersucht. Nun benötigt der Mensch Empathie und Identifikation als Voraussetzung für das Fremdschämen. Fehlen diese Ingredienzien, so entsteht das artverwandte Gefühl der Schadenfreude. Dabei wird eine Normverletzung ebenfalls wahrgenommen, aber eine belohnende Komponente greift Platz und der witzige Aspekt des Ganzen gewinnt Überhand.

Komplexe Sache mit dem Fremdschämen! Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir also unseren moralischen Kompass, der uns Verstöße meldet und auch besonders gute Erfüllungen dieser sozialen Norm. Fremdschämen funktioniert aber nur, weil unser Gehirn, und dort sogenannte Spiegelneuronen, nicht sofort unterscheiden kann, ob wir etwas selbst erleben oder nur beobachten und somit nachahmen. Dabei gilt, je höher die Empathie im Erlebnis, desto größer auch die Fremdscham und die kann tatsächlich körperliche Schmerzen bei uns auslösen…Also mit körperlichen Schmerzen kenne ich mich in diesem Jahr aus😊.

Nun beschäftige ich mich beruflich mit den Inhalten Kommunikation, Führung und Management, was die Frage nach dem Bezug zu Fremdschämen aufwirft. Antwort oder besser Gegenfrage: Haben Sie sich schon einmal für Ihren Arbeitgeber fremdgeschämt? Ich schon, und zwar in der Aufgabe als Führungskraft und Manager. Ich weiß, wie sich das anfühlt und natürlich hat das sehr viel mit Führung zu tun, denn dieses Gefühl wird verursacht durch Taten und Handlungen von Führungskräften/Managern aus eben diesem Unternehmen, in der Regel dem Top-Management. Aber auch Unterlassungen, wie z. B. nicht einzuschreiten, wenn der moralische Kodex einer, mehrerer Mitarbeiter oder gar einer ganzen Belegschaft verletzt wird, kann eine Folge davon sein. Allerdings findet in der Folge, sozusagen automatisch, eine Neujustierung des Unternehmensmagnetfeldes aller Mitarbeiter – just in time – statt.

Also: Wie steht´s, heute schon fremdgeschämt?

Ihr
Frank Uffmann

PS: Schön, das Sie bis hier durchgehalten haben. Danke dafür!
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