Vom BabyBoomer zum SilverLiner oder 60 ist das neue 40

Lesezeit: 3 Minuten
Viele Frauen haben damit ein Problem, viele Männer auch! Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bei denjenigen umhöre, die die Schwelle schon überschritten haben, dann scheint der Tag der Götterdämmerung und des sechzigsten Geburtstages ein und derselbe zu sein. Zitate: „Ich habe mich den ganzen Tag eingeschlossen und nur geweint“ oder „Mit sechzig ist man als Frau für Männer doch unsichtbar“ und „Ab jetzt reden alle nur noch über Krankheiten“ und das Schlimmste überhaupt „Im Bus ist ein junges Mädchen aufgestanden und hat mir ihren Platz angeboten“☹. Wir BabyBoomer sind nicht glücklich damit, jetzt schon zum alten Eisen sortiert zu werden und sich auch noch so zu fühlen.
Auf Seminaren war ich häufig der jüngste Teilnehmer, selbst mit Anfang vierzig war das noch so, zumindest in meiner heutigen Erinnerung. Dann kippte das langsam zu meinen Ungunsten, ohne, dass ich das bewusst wahrnahm und am Ende war ich keine fünfzig Jahre alt und der „alte Sack“ im Seminar. Es kam beruflich aber noch dicker! Ich kann mich genau an den Tag und die Situation erinnern, als mein damaliger Chef Chef mir sagte „Sie sind mir zu alt für einen weiteren Karriereschritt“. Rumms!! Ich war damals 46 Jahre alt, ebenso alt wie mein Gegenüber. In diesem Moment wusste ich zum ersten Mal, wie sich Älterwerden anfühlt. Einfach Scheiße!
Zum Thema älter werden hatte ich immer Bilder vom Film Dinner for One oder Der 90. Geburtstag von Miss Sophie vor meinem inneren Auge, wenn Sie ihren Geburtstag mit den bereits verstorbenen Freunden feiert.
Heute, viele Jahre später, klopfe ich an die Tür zu meinem sechzigsten Geburtstag. Meine Gästeliste liegt schon ausgefüllt in der Schublade, ich trage beigefarbene Gesundheitsschuhe und freue mich auf meine Lebensphase zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden, obwohl mich der Gedanke, die erste Generation mit einer Handyhalterung am Rollator zu sein, nicht gerade tröstet.
HALLO, die 60iger sind die neuen 40iger – schon gehört? Zugegeben, vielleicht fühle ich mich nicht mehr ganz so an, aber meine Frau hat bisher nichts gesagt. Gut, ich habe auch nicht gefragt!
Im Ernst: W I R sind heute die SilverLiner, aufgewachsen ohne Krieg und im Wohlstand und in vielen Fällen mit mehr als nur einem Notgroschen auf der Seite. W I R damaligen BabyBoomer halten uns im McFit, FitX oder im Lady Fitness beim Spinning, Beine-Bauch-Po und Krafttraining fit, was uns körperlich zu Gute kommt. Laut Statista (2018) haben 51 % der Senioren in den letzten drei Monaten einen Computer benutzt, also W I R wissen alle, das ein Browser nicht zum Duschen ist, folglich erwartet uns eine tolle Zukunft! Also liebe SilverLiner, W I R sind die neuen 40iger. Macht was ´draus…

Nun beschäftige ich mich beruflich mit den Inhalten Kommunikation, Führung und Management, was die Frage nach dem Bezug zum SiverLiner aufwirft. Ständig lese ich in den Medien, dass wir nicht mehr so leistungsfähig sein sollen. Wer schreibt das? W I R SilverLiner jedenfalls nicht, denn wir wissen, was in uns steckt. Wir 60iger sind die neuen 40iger mit dem Vorteil der Erfahrung eines sechzigjährigen. Audi hat das schon 2007 erkannt und die Produktion des R8 im Werk Neckarsulm in die Hände der SilverLiner gelegt. Also mein Aufruf an alle HR-Verantwortlichen: Statt mal wieder einige Waggons auf das Abstellgleis zu stellen, lieber dem Wissen und der Erfahrung den Vorzug gegenüber dem Tempo geben!
Ihr
Frank Uffmann

Heute schon fremdgeschämt?

Lesezeit 4 Minuten

Auf dem Düsseldorfer Wirtschaftskongress vor zwei Wochen unterhielt ich mich unter anderem mit Helmut Muthers (Initiative Bundesverband 50 +) über den sich in aller Munde befindlichen Dieselskandal. Meine Gesprächspartner und ich waren uns in der ethischen Bewertung einig, als Herr Muthers zu berichten wusste, dass sich Mitarbeiter von VW für den Dieselskandal schämen und plötzlich war der Gedanke für diesen Artikel geboren. Wann haben Sie sich das letzte Mal fremdgeschämt?

Ich:
• als ich im Oktober dieses Jahres im Urlaub die Selbsthinrichtung unserer Politiker um die Migrationspolitik erfolglos unseren europäischen Mitwanderern zu erläutern versuchte …
• als am 19. Oktober anno Domini mein Lieblingsfußballverein diese sehr merk – würdige Pressekonferenz abhielt, was zur Verbannung meiner geliebten Lederhose in die hinterste Ecke meines Schrankes führte…
• als für das Sommermärchen 2018 mein Bierfass für das Achtelfinalspiel unserer National – Mann – schaft noch nicht einmal gekühlt war, bevor die Räuberpistole die Kugel durch das Fass trieb und zur Ballerbrühe degradierte, ob der Leistung und Einstellung unseres Dreamteams…
• als ich auf die Heckklappe meines Dieselfahrzeuges schaute und das Gütesiegel Made in Germany zum Label ohne Wert mutierte…

Ich kann mich an keine Akkumulation dieser Vielzahl an selbst erlebten Peinlichkeiten erinnern… bis auf die vielen gelesenen und gesehenen Geschehnisse rund um Donald Trump. Gut, weder schäme ich mich für ihn, noch empfinde ich Fremdscham, wohl eher Schadenfreude nach dem Motto, jedes Land bekommt den Präsidenten, den es wählt (oder sitzen wir aus politischer Sicht betrachtet selbst im Glashaus? 😊).

Aber warum liegt das Gefühl der Schadenfreude so nahe beim Gefühl der Scham? Krach von der Philipps-Universität Marburg erläutert das folgendermaßen: Anders als die Basisemotionen wie etwa Angst, Wut oder Traurigkeit gehört Schamgefühl zu den im Laufe des Lebens entwickelten sozialen Emotionen, wie beispielsweise Schuld, Stolz oder Eifersucht. Nun benötigt der Mensch Empathie und Identifikation als Voraussetzung für das Fremdschämen. Fehlen diese Ingredienzien, so entsteht das artverwandte Gefühl der Schadenfreude. Dabei wird eine Normverletzung ebenfalls wahrgenommen, aber eine belohnende Komponente greift Platz und der witzige Aspekt des Ganzen gewinnt Überhand.

Komplexe Sache mit dem Fremdschämen! Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir also unseren moralischen Kompass, der uns Verstöße meldet und auch besonders gute Erfüllungen dieser sozialen Norm. Fremdschämen funktioniert aber nur, weil unser Gehirn, und dort sogenannte Spiegelneuronen, nicht sofort unterscheiden kann, ob wir etwas selbst erleben oder nur beobachten und somit nachahmen. Dabei gilt, je höher die Empathie im Erlebnis, desto größer auch die Fremdscham und die kann tatsächlich körperliche Schmerzen bei uns auslösen…Also mit körperlichen Schmerzen kenne ich mich in diesem Jahr aus😊.

Nun beschäftige ich mich beruflich mit den Inhalten Kommunikation, Führung und Management, was die Frage nach dem Bezug zu Fremdschämen aufwirft. Antwort oder besser Gegenfrage: Haben Sie sich schon einmal für Ihren Arbeitgeber fremdgeschämt? Ich schon, und zwar in der Aufgabe als Führungskraft und Manager. Ich weiß, wie sich das anfühlt und natürlich hat das sehr viel mit Führung zu tun, denn dieses Gefühl wird verursacht durch Taten und Handlungen von Führungskräften/Managern aus eben diesem Unternehmen, in der Regel dem Top-Management. Aber auch Unterlassungen, wie z. B. nicht einzuschreiten, wenn der moralische Kodex einer, mehrerer Mitarbeiter oder gar einer ganzen Belegschaft verletzt wird, kann eine Folge davon sein. Allerdings findet in der Folge, sozusagen automatisch, eine Neujustierung des Unternehmensmagnetfeldes aller Mitarbeiter – just in time – statt.

Also: Wie steht´s, heute schon fremdgeschämt?

Ihr
Frank Uffmann

PS: Schön, das Sie bis hier durchgehalten haben. Danke dafür!
Also hat der Artikel Ihnen womöglich gefallen. Dann senden Sie freundlicherweise den Link an Freunde und Bekannte.

Neugierig auf mehr Beiträge? Meine aktuellen Artikel finden Sie in meinem Blog.
Automatik gefällig? Dann folgen Sie mir auf LinkedIn oder XING.

Zusammenarbeit zwischen unserem Institut und dem DFK

Erste Zusammenarbeit mit dem Verband der Führungskräfte, DFK.

Thema: Work-Life-Balance … zu sehen auf YouTube.

Führungspraxis ist veröffentlicht – als Buch oder eBook!

Neun Jahre lernen, ausprobieren, Feedback einholen, verbessern, neu testen, Feedback einholen, letzten Schliff anlegen, Modell entwerfen, schreiben und Projekt abgeschlossen:

Es ist vollbracht: aus der Praxis für die Praxis!

Artikel in der Zeitschrift PERSPEKTIVEN 1-2/2018 Führung und Management

Zum Artikel: DIGITALISIERUNG BEDEUTET Lebenslanges Lernen , VOR ALLEM FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE

Wien ist eine Reise wert…zum Wiener Digitalisierungskongress 2018

Vortrag: Digitalisierung verändert alles! Mehr sehen und Lesen…

Professionelle Rezension durch Ulla Leuwer

Liebe Ulla Leuwer,

ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie erstens das Tagebuch überhaupt gelesen haben, obwohl es nicht Ihr Genre ist

zweitens für die professionelle Rezension und

drittens für die viele Arbeit in und mit der Rezension. Danke!

Ihr Frank Uffmann

Hier geht´s zum Blog:

http://ullasleseecke.blogspot.de/2018/03/rezension-tagebuch-eines-ex-bank.html

Danke für das nette Feedback und die tolle Idee mit dem Bild!

Das Tagebuch hat das Licht der Welt erblickt! jetzt auch als eBook für 0,99 €

Emerging Adulthood-Virus unserer Zeit

Wir haben eine typische Ypsiloner als Tochter: Anfang zwanzig, beruflich zwischen orientierungslos und für ein Thema lichterloh brennend, in Sachen Beziehung zwischen Polyamorie und der großen Liebe und dabei auf der ständigen Suche nach einer eigenständigen Identität. Ich gebe zu, dass ein oder andere Mal hätte ich schon meine Zähne in die Tischkante beißen können, was für mich nicht hilfreich wäre, vor allem wegen der Gnade meiner frühen Geburt und dem daraus folgenden fortgeschrittenen Alter meiner Zähne und natürlich auch mir selbst. Natürlich haben wir uns in der Vergangenheit öfter die Frage gestellt: was haben wir in der Erziehung falsch gemacht? Doch im Laufe der letzten Jahre mauserte sich das Phänomen unserer Tochter zu einem ausgewachsenen „Virus“, der offenbar nicht nur die Kinder in unserem Freundes- und Bekanntenkreis infiziert hat. Viele Twentysomethings sind in einer Zeitschleife zwischen Teenagerzeit und Erwachsenensein gefangen und fühlen sich dort pudelwohl. Beispiel gefällig? Als in einer der vielen Diskussionen mit meiner Tochter die Ahnung zur Gewissheit wird, das sich bei ihr im Studium ein Urlaubssemester ankündigt und ich sowohl durch Veränderung meiner Stimmlage als auch Mimik zum Ausdruck bringe, was ich davon halte, ernte ich folgende Antwort: „Papi, warum regst Du dich auf, das machen doch viele so!“

Nun blättere ich vorgestern die Zeitschrift Mercedes me durch und lese in einem Interview von Model Stefanie Giesinger (21 Jahre und 2014 Gewinnerin der Castingshow „Germany´s next Topmodel“), die mir bis zu dieser Sekunde völlig unbekannt war: „Wir tragen nicht mehr so viel Verantwortung wie die Generation meiner Eltern“, was bei mir ein heftiges Kopfnicken auslöst. Weiter sagt sie: „Wir befinden uns ja im Grunde in einem Zustand dauerhafter Überforderung. Wenn ich heute ehemalige Schulfreunde treffe, wissen die meisten mit 21 noch nicht, was sie „später“ einmal machen wollen.“ Da ist er wieder, der „Virus!“

Ich beschließe mich intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Auch wenn mein Lieblingsthema Leadership ist, erkenne ich doch in der Erziehung Führungsthemen wieder und vielleicht beugt meine Wissensbereicherung potentiell unklugen erzieherischen Maßnahmen vor;).

Der amerikanische Professor Jeffrey Arnett beschrieb schon im Jahr 2000 die neue Entwicklungsphase der Twentysomethings mit dem Begriff Emerging Adulthood. Seitdem hat sich die Psychologie in diversen Studien ausgiebig mit diesem Phänomen beschäftigt. Verantwortlich für Ursachen und Auswirkungen werden unsere gesellschaftlichen Veränderungen gemacht:

Ursache[1]:                 Die Generation Y…

  • wächst mit großen gesellschaftlichen Umbrüchen auf: Internet, Globalisierung, Klimawandel, Finanzkrise, Terrorismus

Auswirkung:               Die Ypsiloner…

  • wohnen deutlich länger zu Hause bei den Eltern
  • haben immer längere Ausbildungszeiten
  • sind dadurch nur semiautonom
  • arbeiten nur zu einem kleinen Prozentsatz mit 25 Jahren
  • gründen deutlich später eine Familie. Das Durchschnittsalter einer erstgebärenden Mutter ist seit 1991 in Deutschland um fünf Jahre gestiegen.

Folgen:                         Die Twentysomethings

  • gestalten offene soziale Systeme
  • die Vielfalt der Optionen verwirrt mehr, als das sie hilft
  • sind abhängig von immer mehr Flexibilität im Leben
  • verfolgen Ziele mit immer weniger Intensität
  • suchen Partnerschaften zum Erfahrungsaustausch statt zur Familiengründung
  • erfüllen zu mehr als einem Drittel die Kriterien einer psychischen Störung (Depression, Angststörung, Sucht)
  • leiden unter stressbedingter Erschöpfung nicht zuletzt wegen dem hohen Druck an den Bildungseinrichtungen

und die Folge ist

Unsicherheit und Existenzangst.

Tatsächlich hat meine Tochter mir schon einmal von Existenzangst berichtet, was ich aus meiner Perspektive mit Essen, Trinken und Wohnen gleichgesetzt und damit auch nicht verstanden habe.

In einer für mich neuen Rolle als OrientierungsCoach war in der letzten Woche ein typisches „Exemplar“ der Ypsiloner in meiner Beratung. Bei meiner Mandantin erkannte ich viele der oben beschriebenen Sachverhalte wieder, andere konnte ich erahnen. Mit Hilfe von Reflexionsübungen, Testverfahren zum Lerntyp und zur Persönlichkeit gewannen wir Eindrücke zu Business-, Lösungs- und Beziehungskompetenzen, die Rückschlüsse auf Ausbildung und Studienfächer zuließen. Am Ende der gemeinsamen Zeit war ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob ich das Wollknäuel im Gehirn entwirrt oder der Vielfalt Vorschub geleistet habe.

Resümee: Unsere Ypsiloner werden das Kind schon schaukeln, mit Mut, Verantwortung und Eigeninitiative und dann wird aus der verwirrenden Vielfalt und Entscheidungsohnmacht Selbstfindung und Zielstrebigkeit. Frei nach dem Motto, die Jugend soll Ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können im Labyrinth nicht schaden.

Mit adventlichen Grüßen

Ihr  Frank Uffmann

[1] Vgl. Psychologie Heute 09/2017, Artikel Anne-Ev Ustorf S. 59 ff

1 2 3