HandySUCHT – Sklave seines Belohnungssystems

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Kleines EXTRA zur Ferienzeit
HandySUCHT
Ich bin jung | tolle Figur | sehe blendend aus | strahle von innen heraus in den schönsten Farben | höre dir zu | mache was du willst und wann du es willst | gehe durch dick und dünn mit dir | bin IMMER für dich da!
Sie fühlen es auch, oder? Den Drang das Handy in die Hand zu nehmen und nur kurz einen Blick darauf zu werfen, um E-Mails, Nachrichten aus den sozialen Netzwerken oder WhatsApp abzurufen. Oder haben Sie schon die nächste Stufe erreicht und stellen ständig Statusmeldungen ein? Das Handy macht etwas mit uns, doch warum ist das so?
Unser Gehirn ist in verschiedene Areale aufgeteilt und beheimatet unter anderem das ventrale Striatum, der Sitz unseres zentralen Belohnungssystems. Sie sehen ein Stück leckeren Kuchen und Schwupps ist es aktiviert und sie möchten diese Köstlichkeit probieren. Beim Probieren des Kuchens erfüllt sich ihre Erwartung und das speichert das Gehirn ab. Beim nächsten Mal, wenn sie einen köstlichen Kuchen sehen, wird dieser Drang verstärkt sein. Das funktioniert wie mit dem Glas Wein abends zur Entspannung – zur Belohnung für den geschafften Tag – nur das mit steigender Häufigkeit eine Aktivierung ihres Belohnungssystems schon dann in Gang kommt, wenn sie nur daran denken und somit der Drang nach einem Glas Wein umso größer wird.
Vom Kuchen und dem Glas Wein zurück zum Handy: das frühere Telefon und auch das Anfang der neunziger Jahre folgende mobile Handy waren auf eine Kommunikation zwischen zwei Menschen ausgelegt. Mit der Welteroberung des Smartphones wurde die Kontaktmöglichkeit revolutioniert in Kommunikation in Schrift, Bild, Ton und Video und das weltumspannend und an einen oder Millionen von Empfängern gerichtet. Plötzlich kann der einzelne User als Follower Teil einer Gemeinschaft sein und so Zuwendung erhalten. Likes vermitteln Anerkennung und die vermeintlich sozialen Kontakte gaukeln eine imaginäre Zugehörigkeit vor, die, wenn sie ausbleibt, zu Angst und Depressionen führen kann. Genau aus diesem Grund wollen User ständig erreichbar und informiert sein, um dem eigenen Dasein etwas mehr Glanz zu verleihen. Die Droge Handy hat zugeschlagen und sie sind Sklave ihres Belohnungssystems.
Mittels einer App wurde schon im Jahr 2016 in einer nicht repräsentativen Erhebung (300.000 Nutzer) festgestellt, dass User täglich 88-mal aufs Display schauten, was anschließend 53-mal in eine Aktivität mündete. Dieser ständige und unbewusste Drang sein Handy in die Hand zu nehmen hat negative Auswirkungen auf unser Leben, sei es auf unsere Konzentration, Kreativität, sozialen Interaktionen bis hin zu Einschränkungen der Produktivität auf der Arbeit. Auf die Liste der bisher bekannten Drogen könnte auch das Smartphone auftauchen, denn eine Handysucht wird demjenigen bescheinigt, der 60-mal am Tag aufs Handy schaut und nach den Marktforschungsexperten von Flurry gibt es davon weltweit 176.000.000 Menschen.

Die Art und Geschwindigkeit der Kommunikation verändert unser Leben in vielen Bereichen. Von der Zeichensprache in der Stammesgesellschaft vor 10.000 Jahren, zur Schriftgesellschaft im alten Ägypten vor 3.000 Jahren, zur massenmedialen Gesellschaft durch den Buchdruck im Jahr 1458 durch Johannes Gutenberg hin zur computermedialen Gesellschaft heute, womit unsere kurze Zeitreise wieder am Ziel, dem Handy, angelangt ist. WhatsApp, Facebook, Twitter und YouTube beweisen eindrucksvoll, wie ein früheres Gespräch mit Freunden zum heutigen Statisten als Follower mutiert.

Ich glaube, wir sind Zeitzeugen des Überganges von der Medienepoche der Buchdruckgesellschaft zur computermedialen Gesellschaft und die Exponentialkurve der Veränderungen wird noch deutlich an Steilheit gewinnen. Auch wenn unsere Amygdala Stabilität und Vorhersehbarkeit liebt, ihre erhöhte Aktivität in unseren Gehirnen, um uns alle an neue Situationen und Unsicherheiten anzupassen, steht uns bevor. Der point of no return liegt schon lange hinter uns…

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann

Bonus als Droge?

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Das ABC der Führung

Teil VIII: Bonus
In den letzten Jahren hat kaum ein anderes Thema so viel mediale Aufmerksamkeit erregt wie das Thema Bonus. Die Verfehlungen der Finanzbranche, bei denen sich viele durch think big anstecken ließen, wurden schonungslos von der Presse aufgedeckt, ebenso wie die Exzesse der Automobilindustrie. Der moralische Druck, ausgehend von unserer Gesellschaft, sorgt aktuell bei den Aufsichtsräten und Vorständen für ein Umdenken im Selbstbedienungsladen Bonus. Gut so!

Definition/Bedeutung:
Vergütungssysteme sind eine Mehrzahl von Anreizen, die differenziert nach Zielgruppen Anwendung finden. Der Bonus ist einer dieser Anreize. Die Summe aller Anreize soll im Wirkungsverbund einen Stimuli Cocktail erzeugen, der bestimmte Verhaltensweisen positiv beeinflusst, sowie die Wahrscheinlichkeit für unerwünschtes Verhalten mindert.

Warum ist das Thema Bonus wichtig?
Geld ist ein Hygienefaktor und kein Motivator, zumindest nicht nachhaltig. Das ist wissenschaftlich erwiesen und doch greifen noch viele Unternehmen zu einem Bonussystem im Rahmen der Remuneration. Intrinsische Motivation eines Mitarbeiters kann durch die Höhe eines Bonus korrumpiert werden, sodass extrinsische Motivierung (nach R. Sprenger, Mythos Motivation) daraus wird. Ziel verfehlt!

Wie macht die Zahlung eines Bonus Sinn?
Zeitnah zur erbrachten Leistung und damit spontan und überraschend als Anerkennungsprämie, damit ein motivativer Charakter erreicht wird.

Praxistipp:
1. Wenn sie Bonus zahlen, dann überraschend.
2. Muss es immer Geld sein? Vielleicht ist ihrem Mitarbeiter ein gesponserter Kindergartenplatz viel wichtiger!
3. Fragen sie ihren Mitarbeiter, worüber er / sie sich wirklich freuen würde.

Risiken und Nebenwirkungen:
Nun liegt im Bonus eine nicht unbeträchtliche Versuchung, denn ein Bonus kann auch zur Droge werden, wenn die Zahl auf dem Scheck nur hoch genug ist. Dann kann schon mal aus Führung Verführung werden und die Sinnhaftigkeit der Arbeit wird ersetzt durch die Gier nach Geld.

No-Gos:
Es gibt sie noch, die Unternehmen, die nach klassischer Art ihren Bonus nach einer Ziel/Zielerreichungs-Systematik bezahlen. Schon mal erlebt, dass sich diese Spielregeln innerhalb eines Jahres geändert haben? Ein einmal ausgegebenes Jahresziel im laufenden Jahr zu verändern kostet die Akzeptanz des Zieles/der Ziele und die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Geschäftsleitung. Ein zu hoher Preis, oder?

Fazit: Je stärker in einer Organisation die Bonuskultur ausgeprägt ist, um so mehr richten sich die Mitarbeiter danach und die Möhre vor der Nase bestimmt die Unternehmenskultur. Achten sie in ihrem Umfeld auf solche Tendenzen und nehmen für sich ihre persönlichen Ethik- und Moralvorstellungen als Gradmesser, um daran Ihr Handeln auszurichten. Sie entscheiden mit, ob in ihrem Unternehmen eine werteorientierte Erfolgskultur oder eine zielorientierte Bonuskultur herrscht.

Soweit genug für heute, denn…

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder, keine Frage.

Ihr
Frank Uffmann